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ÖRDERVEREIN NEUE HERKULESBAHN

   
 










 


Weltkulturerbe Bergpark Wilhelmshöhe

Geht das Verkehrschaos 2014 in das vierte Jahr?

Sehr geehrte Damen und Herren,

geht das Verkehrschaos im Weltkulturerbe Bergpark Wilhelmshöhe in das vierte Jahr? Was wir so hören und sehen, lässt uns daran zweifeln, dass es am 1. Mai mit Beginn der Wasserspiele besser wird.

1) Angefügt ein Handy-Schnappschuss vom letzten Sonntag, den uns eine Autofahrerin gemailt hat. Man konnte selbst im Winter regelmäßig beobachten, wie entlang der Tulpenallee wild geparkt wurde (hier auf Höhe des Gewächshauses). Man hat so lange weggesehen, dass sich Gewohnheitsrechte herausbilden konnten. Den rechtmäßigen Zustand nach Jahren der Duldung wieder herzustellen, wird von den Autofahrern dann als Schikane empfunden.

Bild: privat

2) Die Stadtverordnetenversammlung hat den Magistrat im Februar vor drei Jahren (!) beauftragt, mit der Landesregierung über die Finanzierung der Herkulesbahn zu verhandeln. Ist damit begonnen worden, den Beschluss umzusetzen, und haben die Stadtverordneten die Umsetzung bislang angemahnt?

3) Es war mehrfach in der Presse zu lesen, dass ein Verkehrskonzept für den Bergpark erarbeitet wird (Das letzte Konzept datiert aus 2010 - schon überholt?). Im zuständigen Ausschuss war das bis heute kein Thema, die Stadtverordneten haben demzufolge noch keinen Einfluss auf die Inhalte und Zielsetzungen eines solchen Konzepts nehmen können und sich offensichtlich auch nicht über den Stand der Dinge informieren lassen.

4) Der eben verabschiedete Bebauungsplan "Bergpark Wilhelmshöhe, Besucherzentrum" weist 8 Busparkplätze auf dem neu gestalteten Parkplatz Ochsenallee aus. Haben wir nicht mehr als einmal nachgewiesen, dass der Bedarf viel größer ist? Auf unserer Homepage haben wir für den 10. Juli 2013 beispielhaft aufgezeigt, dass sich selbst an einem Mittwoch 16 Reisebusse zur gleichen Zeit auf diesem Parkplatz eingefunden haben: http://www.neue-herkulesbahn.de/pdf/Wasserspiele%20am%20Mittwoch.pdf Werden wir wie bereits beim 2010 verabschiedeten Gesamterschließungskonzept für den Bergpark erleben, dass die der Planung zugrunde gelegten Besucherprognosen viel zu niedrig angesetzt sind?

5) Wer als auswärtiger Autofahrer wegen Überfüllung der Parkplätze am Ehlener Kreuz an weiter entfernt liegende Parkplätze verwiesen wird (Wenn er nicht frustriert den Heimweg antritt): Erkennt der intuitiv, wo er am besten parken soll, wie er von dort zum Herkules und wieder zurück kommt, ob er die Wasserspiele noch rechtzeitig erreicht, wie er zu Fuß dorthin kommt, ob es Busshuttles gibt oder nicht, wann und wo die abfahren, gibt es eine Beschilderung oder ein klar erkennbares und nachvollziehbares Leitsystem, ermöglicht das neue Verkehrskonzept stressfreies Ankommen für ein entspanntes Bergparkerlebnis? Blicken alle Besucher sofort durch, was für sie an neuen Verkehrsplanungen erarbeitet wird, wenn sie ab 1. Mai auf der Matte stehen?

6) Gleiches gilt auch für den Bereich des Schlosses, wo die Hälfte des Brandt-Stoph-Parkplatzes für Baumaschinen, Baumaterial etc. beansprucht wird. Auch hier dürften die Parkplatz-Kapazitäten an besucherstarken Tagen wiederum kaum ausreichen, so dass mit erhöhtem Parksuchverkehr im Bereich des Schlossplateaus zu rechnen sein wird und die Notwendigkeit besteht, gerade auswärtigen Gästen Orientierung zu geben, wo sie ihr Auto abstellen und ggf. auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen können.

7) Wieviel zusätzlichen Autoverkehr gedenkt man noch durch Bad Wilhelmshöhe zum Bergpark zu leiten/ zu ertragen/ zu dulden, bis der Punkt erreicht wird, an dem die Schilder "Kurbezirk Bad Wilhelmshöhe" endgültig zur Farce werden und man Gefahr läuft, das Prädikat "Bad" zu verlieren?

8) Und schließlich: Setzen Sie sich mal nachmittags mal draußen vor das Schlosscafé und genießen die Abrollgeräusche, wenn die Autoreifen vom Asphalt aufs neue Kopfsteinpflaster brettern. Warum ist es zudem nicht möglich, auf der kurzen Strecke durch den Bergpark durchgängig Tempo 30 auf der Tulpenallee anzuordnen?

9) Die Liste der Probleme und Brennpunkte ließe sich beliebig erweitern. 2011 bis 2013 blieb genügend Zeit, Erfahrungen zu sammeln, zu üben, die richtigen Schlüsse zu ziehen, die Notwendigkeiten zu erkennen, Planungsgrundlagen zu korrigieren, Kooperationen zu schmieden und die Kommunikation deutlich zu verbessern.


Aus der Befürchtung heraus, dass es in diesem Jahr nicht besser wird als in den drei vorangegangenen Jahren, hier noch einmal unser Statement vom 8.7.2013:

Am Schloss wie am Herkules rächt sich jetzt,

1. dass man alle Beiträge, die der schienengebundene ÖPNV zur Lösung der Verkehrsprobleme hätte erbringen können (Verlängerung der Linien 1 und 3), ohne eine ernsthafte, ergebnisoffene Prüfung abgelehnt und auf die lange Bank geschoben hat;

2. dass die Verkehrsplanung im eklatanten Widerspruch zu den Prognosen der Museumsplaner viel zu geringe Besucherzahlen unterstellt und damit eine Grundlage für die Bergparkerschließung geschaffen hat, die schon jetzt überholt ist, obwohl das Verkehrskonzept für den Bergpark angeblich für alle Eventualitäten gerüstet war. Man behauptete, dass man frühestens in zehn oder fünfzehn Jahren das Verkehrskonzept hätte anpassen müssen, wenn überhaupt. Dabei steht es bereits jetzt zur Generalsanierung an;

3. dass das Erschließungskonzept für den Bergpark, das Bestandteil des Welterbeantrags war, nicht einen einzigen strategischen Ansatz enthält, mit welchen Maßnahmen man die Verkehrsmittelwahl zugunsten des ÖPNV beeinflussen kann und ob man das überhaupt will. Das derzeitige Verkehrskonzept setzt zu dem Zeitpunkt an, an dem die Besucher bereits im Bergpark angekommen sind und blendet aus, dass es vor allem darum gehen müsste, die Verkehrsbelastung für die Fahrt durch den Kurbezirk und die Stadt zu minimieren (Viele schöne Beschlüsse zum Klimaschutz haben die Stadtverordneten ja verabschiedet). Beim Hessentag war die Stadt mutiger und ist dafür belohnt worden: täglich 100.000 zusätzliche Fahrgäste zählte die KVG, weil das Angebot überzeugte;

4. dass die Zuständigkeiten und die Verantwortlichkeiten für das gemeinsame Welterbe (auf Grund und Boden und im Besitz des Landes Hessen) zwischen Stadt und Land, zwischen Kassel Marketing und Museumslandschaft Hessen Kassel, offensichtlich nicht eindeutig geklärt sind. Fachleute aus dem touristischen Bereich, professionelle Gästeführer und viele Menschen, die regelmäßig im Bergpark Ruhe und Erholung suchen, sind mehr als unglücklich über die ungelösten Probleme, die nun schon seit drei Jahren am Herkules und am Schloss immer wieder auftreten und die sich nach der positiven Entscheidung der UNESCO weiter zuspitzen. Wo sind die Fürsprecher aus dem (kommunal-) politischen Raum, die ihnen beiseite stehen und sie unterstützen?

Die Zeit drängt; die Lösung der für jeden immer deutlicher zutage tretenden Probleme erfordert das Zusammenwirken aller Institutionen, die einen konstruktiven Beitrag leisten können und wollen (Stadt und Land/MHK, Hessen Forst, Kassel Marketing, Gästeführer, KVG, Verkehrsverbände wie VCD oder Förderverein Neue Herkulesbahn, Bürger für das Welterbe, Ortsbeirat Bad Wilhelmshöhe; Naturschutzbeirat etc.).

Unser Vorschlag: Die Stadt lädt zu einem gemeinsamen Gespräch ein, auf dem eine Zwischenbilanz des Gesamterschließungskonzepts für den Bergpark gezogen wird und Anspruch und Wirklichkeit schonungslos und ohne ideologische Scheuklappen gegenüberstellt werden. Das wäre dann die Grundlage für den weiteren Schritt: Die Anpassung (und Ergänzung) des bestehenden Erschließungskonzepts an die tatsächlichen Besucherströme und an die Erfordernisse eines nachhaltigen, dem Welterbe angemessenen Verkehrskonzepts für die Zukunft. Die absehbaren Verkehrsmengen, die der Bergpark und Kurbezirk jetzt und in den kommenden Jahren verkraften müssen, erfordern ehrlicherweise entweder einen zügigen Neubau von zusätzlichen Parkplätzen oder die Erarbeitung einer klugen, nachhaltigen und zügig umzusetzenden ÖPNV-Strategie mit der Straßenbahn als Rückgrat der Bergparkerschließung.


Vorstand des Fördervereins Neue Herkulesbahn