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ÖRDERVEREIN NEUE HERKULESBAHN

   
 
 










 



Was wir berühren, verliert an Wert



"Der Autofahrer, der die Hauptstraßen verlässt, verspürt den Drang, der modernen Zivilisation zu entkommen. Er ist, auch wenn es ihm noch nicht bewusst sein sollte, auf der Suche nach einem Ort der Ruhe und der Einkehr; nach einem Ort, den der kaum fassbare Hauch von alten und traditionellen Dingen umgibt. Er findet ihn auch, aber nur einen Augenblick lang; sobald er ihn gefunden hat, wird daraus etwas anderes als das, was er gesucht hat.
Es kann zum Beispiel ein Heckenpfad sein, der zu einem Dorf hinführt. Doch kaum hat er ihn befahren, wird er auch schon verbreitert, um ihm die Anfahrt zu erleichtern. Jedes Jahr werden die Böschungen begradigt, die Hecken gestutzt, die Randstreifen in Ordnung gebracht. Und alsbald verschwindet die natürliche Oberfläche, die Farbe und Art des Erdreichs widerspiegelte, unter einer Teerdecke, und die Verwandlung eines Pfades in eine Straße ist vollzogen. Der Autofahrer ist in der Tat ein wahrer Anti-Midas: Was er berührt, verliert an Wert."

C.E.M. Joad, The Untutored Townman's Guide to the Country, London: Faber & Faber, 1946.
(zitiert nach Heathcote Williams, Autogeddon, 1991/ Titel der deutschen Ausgabe: Auto-
mobilmachung
, Frankfurt am Main: Zweitausendeins, 1992)


Bilder dieser Seite © Michael Schwab/ Förderverein

Keine Angst, mit diesem Zitat soll nicht der Gebrauch des Autos verteufelt werden. Schließlich sind wir alle als Verkehrsteilnehmer mal Opfer, mal Verursacher von Verkehrsproblemen. Und wer sich für eine Straßenbahn zum Herkules einsetzt, ist deshalb kein besserer Mensch als diejeinigen, die ihn derzeit noch mit dem eigenen Auto ansteuern.

Der Verweis auf dieses Zitat ist ein Appell, innezuhalten und zu überlegen, ob wir bei der Erschließung des großartigen und schützenswerten Bergparks Wilhelmshöhe die Dominanz jahrzehntelanger, autogerechter Stadt- und Verkehrsplanung nicht endlich verlassen und uns mutig neuen Lösungen zuwenden sollten. Noch ist dieser politische Wille nicht wirklich sichtbar.

Wir sind davon überzeugt, dass viele Menschen - Einheimische wie Gäste - bei der Fahrt zum Bergpark auf das Auto verzichten würden, wenn ihnen überzeugende Alternativen angeboten würden. Daran mangelt es noch. Und derzeit sieht es so aus, als ob man die Fehler von gestern auch in Zukunft fortsetzen wolle: Statt in mehr umweltfreundliche Mobilität zu investieren und mit geeigneten Maßnahmen die Verkehrsmittelwahl zu beeinflussen, wird der bekannte Kreislauf in Gang gesetzt: "Mehr Verkehr = mehr Parkplätze = mehr Verkehr =
mehr Parkplätze
".