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ÖRDERVEREIN NEUE HERKULESBAHN

   
 
 










 

Pressemitteilung v. 13.8.2014:

Der Förderverein Neue Herkulesbahn fordert den großen Wurf zur Erschließung des Weltkulturerbes und stellt eine neue Visualisierung der Endhaltestelle am Herkules vor

Die Improvisation ist DAS konstituierende Element des Jazz - als Ersatz für ein schlüssiges Verkehrskonzept für den Bergpark ist die mittlerweile vierjährige Improvisationsphase einem kulturellen Erbe von Weltrang unangemessen. Deshalb appelliert der Förderverein Neue Herkulesbahn Kassel e.V. an Stadt und Land, in enger Zusammenarbeit endlich den großen Wurf zu wagen und auf die Touristenströme und die Gefährdungen für das Welterbe und den Kurbezirk Bad Wilhelmshöhe mit einem konsequenten Ausbau des ÖPNV zu reagieren - hierzu ist aus Sicht der Vereins die Straßenbahnverlängerung der Linie 3 bis zum Herkules der wichtigste Baustein. Die KVG hat in ihrer Vorentwurfsplanung für die Herkulesbahn die technische Machbarkeit nachgewiesen und Vorschläge für ein Betriebskonzept zu vertretbaren Kosten unterbreitet. Mehrere Millionen Euro seien mittlerweile in den Bau neuer Parkplätze und die Umgestaltung der Tulpenallee geflossen, da werde es Zeit, dass ebenso großzügig in umweltfreundliche Mobilität und den Klimaschutz für diesen hoch sensiblen Bereich investiert werde.

Um dem Straßenbahnprojekt neuen Schwung zu verleihen, hat der Förderverein jetzt eine Visualisierung der Endhaltestelle am Herkules veröffentlicht. Der Förderverein schlägt vor, die Wendeschleife westlich des Parkplatzes anzulegen. An dieser Stelle beeinträchtigen weder die grüne Trasse noch die Haltestelle die barocken Blickachsen und können welterbeverträglich in das Landschaftsbild eingefügt werden. Umweltfreundlich, umsteigefrei und komfortabel könnten Besucher aus vielen Bereichen der Stadt sowie Städtetouristen von ihren Hotels direkt und ohne Staugefahr oder Parkplatzprobleme zum Welterbe gelangen. Dies wäre der längst überfällige Durchbruch für ein wettbewerbsfähiges ÖPNV-Angebot zum nachhaltigen Schutz des Bergparks, das durch die Linie 1 am unteren Ende des Parks ideal ergänzt wird. Für Generationen von Kasselänern und Touristen gehörte die Bahn zum Erlebnis des Bergparks einfach dazu. In moderner Form würde das heute wieder funktionieren.

Die diesjährige Wasserspielsaison hat wieder keine Fortschritte bei der Reduzierung des starken Parksuchverkehrs oder des aus dem Ruder geratenen ruhenden Verkehrs gebracht. Das war mit den zögerlichen, rudimentären Maßnahmen auch nicht zu erwarten. Im Ergebnis bringt das regelmäßige Verkehrschaos ohne ein schlüssiges Gesamtverkehrskonzept der Stadt keine Wertschöpfung und erzeugt mit den aktuellen Rahmenbedingungen nur Stress und Ärger. Mit dem Gefühl "schnell weg und nie wieder hin" entlassen wir aber keine Botschafter für einen prosperierenden Welterbetourismus.

Ohne ein Gesamtverkehrskonzept wird es keine zufriedenstellende Lösung geben. Ein solches Konzept hätte die Aufgabe, umsteigefreie Verkehrsachsen aus der Stadt zu den Eingangsportalen des Bergparks zu definieren und diese untereinander zu vernetzen. Gleichzeitig sollte es aufzeigen, an welcher Stelle der Achse auswärtige Autofahrer ihren PKW abstellen und mit dem erworbenen Parkticket in einer Herkules- oder Schlossbahn weiterfahren und auch wieder zurückkommen können. Hierfür bedarf es eines Leitsystems und einer Kombiticketlösung. Ein Umstiegspunkt für externe Besucher, die mit dem Auto kommen, könnte möglicherweise der aufzulassende Steinbruch im Druseltal sein, der im Zusammenspiel mit einer neuen Herkulesbahn eine gute Lösungsmöglichkeit darstellen könnte. Andere Standorte wie die Parkhäuser in der Innenstadt oder am Bahnhof Wilhelmshöhe sind ebenfalls denkbar und müssten ernsthaft untersucht werden.

Doch wie sieht die Realität aus? Gehwege und Haltestellen werden illegal von Fahrzeugen zugeparkt, Fußgänger und ÖPNV-Fahrgäste müssen sich durch die engen verbleibenden Lücken zwängen und es ist keine Ordnungsbehörde in Sicht, die diesem ungewollten Treiben ein Ende bereiten würde. Hilflos muten die bisherigen Versuche an, für mobilitätseingeschränkte Menschen eine innere Bergparkerschließung anzubieten. Die Haltestellenbeschilderungen erinnern an einen sporadischen Partyverkehr anstatt an einen qualitativen Welterbeverkehr und die Kleinbusse sind gar nicht in der Lage, Rollstühle mitzunehmen. Stattdessen müssen sich Rollstuhlfahrer rechtzeitig bei MHK melden, damit ein geeignetes Taxi bestellt werden kann. Und nicht zuletzt müssen diejenigen, die mit der Straßenbahn gekommen sind, für den Kleinbus gleich noch einmal bezahlen. Auch die recht gut nachgefragte Busverbindung zwischen dem Besucherzentrum Wilhelmshöhe und dem Herkules könnte mit einer Kombiticketlösung, die die ÖPNV-Nutzung mit dem Erwerb des Parktickets einschließt, deutlich aufgewertet werden.

"Die neue Herkulesbahn ist mehr als nur ein Verkehrsmittel", so der Fördervereinsvorsitzende Michael Schwab. "Die Faszination ergibt sich schon aus dem einzigartigen Fahrerlebnis. Es ist ein ganz anderes Ankommen, eine ganz andere Annäherung an das Weltkulturerbe. Wo gibt es das ein zweites Mal in Deutschland, dass man in der Innenstadt in eine Straßenbahn einsteigt, die auf den letzten Kilometern eine grüne, steile Trasse erklimmt und schließlich in unmittelbarer Nähe des Herkules ihre Gäste auf eine wundervolle Entdeckungsreise schickt? Leichter kann eine so intensive Einstimmung auf ein Reiseziel nicht vermarktet werden."

In einem Interview mit der Zeitschrift verso im Dezember 2010 hatte der Fördervereinsvorsitzende prognostiziert: "Der prestigeträchtige und hervorragend zu vermarktende Welterbetitel verspricht zusätzliche Besucher. Es werden künftig deutlich mehr Veranstaltungen im Bergpark stattfinden, insbesondere das neue Besucherzentrum am Herkules, der sanierte Herkules mit dem wieder zugänglichen Oktogon und die Aufwertung des gastronomischen Angebots werden viele Menschen anlocken - nicht zuletzt werden die Bürgerinnen und Bürger Kassels ihren Bergpark wiederentdecken. Es wäre fahrlässig, dieses Potenzial für den ÖPNV nicht zu nutzen. Wir müssen deshalb an die verkehrliche Erschließung des Welterbes ebenso hohe Anforderungen stellen wie an das Welterbe selbst. Und das bedeutet vor allem, zum Schutze des Ensembles auf umweltfreundliche Mobilität zu setzen, wie das andere Welterbestätten mit Erfolg praktizieren."

Die Entwicklung hat dem Förderverein Recht gegeben. Deshalb appelliert er an Stadt und Land, den Beschluss der Kasseler Stadtverordnetenversammlung vom Februar 2011 endlich umzusetzen - damals hatten die Fraktionen SPD, Grüne und CDU sowie weitere Stadtverordnete den Magistrat aufgefordert, mit dem Land Hessen über die Finanzierung der Herkulesbahn zu verhandeln.

Hinweise zur Visualisierung:

Im Auftrag des Fördervereins entstanden mit einem Multikopter des Kasseler Unternehmens Aibotix am Herkules hochauflösende Luftbilder aus 40 bzw. 80 Metern Höhe. Markus Eusterbrock von PROFORMA Architekten fertigte auf dieser Grundlage eine Visualisierung der Straßenbahn-Endhaltestelle an.